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9. September 2026·5 Min. Lesezeit

Gehaltserhöhung verlangen: So gehst du es beim eigenen Chef an

Du willst deinen aktuellen Vorgesetzten um mehr Gehalt bitten. Der richtige Zeitpunkt, die Argumente, die wirklich zählen, und wo die realen Grenzen deines Chefs liegen.

Um mehr Gehalt bei deinem aktuellen Arbeitgeber zu bitten, ist ein anderes Gespräch als eine Verhandlung bei einem neuen Angebot. Es gibt keinen Wettbewerbsdruck, keine Frist, keinen zweiten Kandidaten, der auf den Job wartet. Stattdessen sitzt du einer Person gegenüber, die dich schon kennt, mit der du weiter zusammenarbeiten musst, und die selbst oft nicht die endgültige Entscheidung trifft. Das verändert, was funktioniert.

Der richtige Zeitpunkt

Nach dem ersten Jahr im Job ist ein sinnvoller erster Zeitpunkt, um das Thema überhaupt anzusprechen. Vorher fehlt meist die Grundlage – man hat sich noch nicht lange genug bewährt, um eine Erhöhung mit Substanz zu begründen. Wenn es schon einmal eine Erhöhung gegeben hat, ist es sinnvoller, danach eher 1 bis 1,5 Jahre zu warten, bevor man erneut fragt, außer es gibt einen klaren Auslöser.

Und genau dieser Auslöser ist wichtiger als das Kalenderdatum: Der beste Moment ist nach nachweisbar guter Arbeit oder nachdem du zusätzliche Verantwortung übernommen hast, die formal noch nicht abgegolten ist. Also nicht "ich arbeite jetzt seit X Monaten hier", sondern "ich habe seit dem letzten Gespräch Y übernommen, mit diesem Ergebnis". Willkürliche Zeitpunkte, etwa weil man gerade eine Rechnung zu Hause hat oder ein Kollege mehr verdient, sind menschlich verständlich, aber als Argument gegenüber dem Chef schwach.

Erst das Gespräch ankündigen, nicht überfallen

Bitte zuerst um einen separaten Termin und sag dabei klar, worum es geht: "Ich würde gern in den nächsten Tagen kurz über meine Rolle und meine Gehaltsentwicklung sprechen – hast du dafür 30 Minuten?" Das gibt deinem Vorgesetzten Zeit, sich vorzubereiten, Zahlen zu prüfen oder mit der eigenen Führungsebene Rücksprache zu halten, statt in einem Alltagsgespräch überrascht zu werden und aus dem Bauch heraus mit einem Nein zu reagieren, nur um Zeit zu gewinnen.

Ein überraschend hingeworfenes "Ach, wo wir schon dabei sind, ich wollte auch über mein Gehalt reden" am Ende eines anderen Meetings ist fast immer die schwächere Version dieses Gesprächs.

Welche Argumente wirklich zählen

Der größte Unterschied zur Verhandlung bei einem neuen Angebot: Der externe Markt zieht hier deutlich weniger. Bei einem neuen Arbeitgeber ist "das ist der Marktpreis für diese Rolle" ein starkes Argument, weil die Firma dich noch überzeugen muss, dich überhaupt zu bekommen. Bei deinem aktuellen Chef klingt dieselbe Aussage schnell wie eine verdeckte Drohung ("dann geh doch") oder wie eine Beschwerde über etwas, das er nicht direkt beeinflussen kann.

Was stattdessen zieht, sind deine Ergebnisse: konkrete Projekte, messbare Verbesserungen, übernommene Verantwortung, die über deine ursprüngliche Rolle hinausgeht. Nicht "ich arbeite hart", sondern was dadurch konkret anders ist als vorher – weniger Fehler, schnellere Prozesse, ein Projekt, das ohne dich nicht gelaufen wäre, neue Aufgaben, die eigentlich eine höhere Stufe bedeuten.

Marktdaten kannst du trotzdem als Referenz einbringen, aber eher als Hintergrundinformation als Hauptargument: "Ich habe mir angeschaut, was für vergleichbare Positionen in unserer Branche üblich ist, und wollte das mit meiner eigenen Entwicklung zusammen besprechen" ist etwas anderes als "ich könnte woanders mehr verdienen". Die erste Formulierung zeigt Vorbereitung, die zweite wirkt wie ein Ultimatum, selbst wenn du es nicht so meinst.

Nenne trotzdem eine konkrete Zahl

Auch hier gilt: eine konkrete, unrunde Zahl wirkt vorbereiteter als eine runde. 4.850 € statt 5.000 € im Monat vermittelt, dass du dir das ausgerechnet hast, nicht dass du dir eine Wunschzahl gegriffen hast. Das gilt in diesem Gespräch genauso wie bei einem neuen Angebot – der psychologische Effekt hängt nicht davon ab, ob du wechselst oder bleibst.

Die realen Grenzen deines Vorgesetzten

Das ist der Teil, der bei der Vorbereitung am häufigsten übersehen wird: Dein direkter Vorgesetzter entscheidet in den meisten Firmen nicht allein. Er braucht selbst eine Freigabe von seiner Führungsebene, von HR oder aus einem Budgettopf, der einmal im Jahr festgelegt wird. Ein Nein oder ein "ich muss das prüfen" im ersten Gespräch bedeutet also nicht automatisch, dass die Sache abgelehnt ist – es bedeutet oft nur, dass die Entscheidung nicht bei der Person liegt, mit der du gerade sprichst.

Das verändert deine Strategie sinnvoll: Frag konkret, wie der Prozess dahinter aussieht. "An wen müsstest du das weitergeben?" oder "Gibt es einen festen Zeitpunkt im Jahr, an dem solche Anpassungen entschieden werden?" zeigt, dass du die Struktur verstehst, statt deinen Chef persönlich für ein Nein zu bestrafen, das er womöglich selbst nicht trifft.

Wenn eine reine Gehaltserhöhung aktuell nicht möglich ist, frag nach Alternativen, die oft leichter zu bewilligen sind, weil sie aus einem anderen Budget stammen oder nicht das Gehaltsgefüge im Team verschieben: zusätzliche Urlaubstage, eine Übernahme von Weiterbildungs- oder Studiengebühren, flexiblere Arbeitszeiten, im Einzelfall auch ein Firmenwagen. Das ist keine Verlegenheitslösung, sondern oft der schnellere Weg zu einem echten Zugeständnis.

Was du danach tust

Wenn die Antwort ein Nein oder ein "später" ist, frag konkret nach, was sich ändern müsste, damit es beim nächsten Mal anders aussieht, und halte fest, was besprochen wurde – idealerweise in einer kurzen E-Mail zur Zusammenfassung des Gesprächs. Das ist keine Misstrauensbekundung, sondern gibt dir beim nächsten Versuch etwas Konkretes, worauf du dich beziehen kannst, statt wieder bei null anzufangen.

Bevor du das Gespräch tatsächlich führst

Der Moment, an dem die Vorbereitung meist bricht, ist nicht das Sammeln der Argumente, sondern das laute Aussprechen der Zahl und der Reaktion auf ein erstes Zögern deines Chefs. Im Kopf klingt "ich möchte über eine Anpassung meines Gehalts sprechen" klar. Laut, mit echtem Gegenüber, das vielleicht erst mal ausweicht, ist es etwas anderes.

Genau dafür gibt es bei Prepair die Verhandlungsübung unter /negotiation/setup: Du wählst den Kontext "Gehaltserhöhung beim aktuellen Vorgesetzten", stellst ein, wie hart Cam in der Rolle deines Chefs reagiert, und übst das Gespräch als rundenbasierten Chat, bevor du es mit deinem echten Chef führst. Am Ende siehst du eine Auswertung mit dem, was du gefordert hast, was du erreicht hast, und wo du in der Übung zu schnell nachgegeben hast. Das Mikrofon ist dabei optional – du kannst genauso gut tippen.

Wenn du dich stattdessen gerade auf Vorstellungsgespräche für eine neue Stelle vorbereitest, findest du das reguläre Interviewtraining kostenlos unter /interview/setup. Und wenn du schon ein neues Angebot auf dem Tisch hast und dort nachverhandeln willst, ist das ein anderes Gespräch mit anderen Regeln – dazu mehr in Gehaltsverhandlung bei einem Jobangebot.

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